Er hat nicht geantwortet... Ich hoffe, dass er überlegt, dass er einfach Zeit zum nachdenken braucht. Ob er noch an unsere Gespräche denkt? Über Enthalpie von Dachziegeln, die nach Sonneneinstrahlung fliegen können und Entropiezuständen in den Kinderzimmern seiner Söhne? Wie wir das erstemal im Botanischen Garten spazieren waren und uns fast die Füße abgefrohren hätten? Jeden zweiten Tag bin ich momentan in der Kapelle - bzw. heute in der Kirche.
Heute kam ich in die Kirche und - nanu, da sitzt ja ein bekanntes Gesicht in der dritten Reihe von hinten - kann das sein? Ja, es stimmte - mein Großcousin! Studivz sei dank wusste ich wie er aussieht, denn das letzte Familientreffen auf dem wir uns gesehen haben ist etliche Jahre her (ich fürchte ich werde alt...). Wir haben uns kurz unterhalten, aber so richtig gesprächig war er irgendwie nicht. Ob er immer so ist? Und wenn er redet, dann ganz leise und undeutlich... Er hat gesagt, dass er momentan öfter kommt. Ob er Probleme hat?
Ich frage mich, wie unser Pastor immer gerade über das Predigt, was mich beschäftigt? Oder ob er einfach gut ist und die Predigten immer ansprechend? Vielleicht sollte ich anfangen öffter in die Kirche zu gehen?
Heute ging es darum, dass Gott uns mit den hellen Schein seines Angesichts erleuchtet und uns hilft, schwere Dinge zu ertragen. Sein Angesicht - er sieht uns und ist bei uns, auch wenn wir kein menschliches Wesen um uns haben.
Gestern habe ich über drogensüchtige nachgedacht und ob sie wohl auch über solche Lebensumstände dazu gekommen sind. Ich weiß nicht, ob ich es gestern abgelehnt hätte zu probieren, denn ich stelle mir vor, dass es betäubt, einem nichts mehr weh tut und man nicht mehr denken braucht. Andererseits - mir würden sie bestimmt keine Verkaufen und ich habe keine Ahnung, wie man daran kommt. Auch wenn "die anderen" immer erzählt haben, dass Ihnen auf dem Schulhof welche angeboten wurden - mir ist das nie passiert.
Und jetzt sitze ich wieder auf der Arbeit... Eigentlich wollte ich die Zeit drastisch kürzen, aber was soll ich zu Hause? Wenn ich morgens aufwache ist es am schlimmsten. Ich bin zitterig, die Tränen fangen wieder an zu laufen und alle Gedanken kreisen nur um Ihn. Hier sind wenigstens andere Menschen. Gestern hatten wir ein spontanes "Bürotreffen". Alle bis auf mein Medizinmann waren da - sogar unser neuer Diplomand, der erst seit zwei Tagen hier ist. Fürchterlich motiviert, oder?
Eben habe ich nach meinen Mäusebabys geguckt... Der eine Käfig mit drei kleinen sieht gut aus, aber der zweite ist verschwunden! Vielleicht ist das hübsche aber kranke Baby gestorben und das andere wollten sie nicht behalten? Aber dann wüsste ich doch ganz gerne bescheid darüber! Ich habe auch noch vier neue Babys bekommen. Drei sehen o.k. aus, das vierte wieder kleiner, wobei es sein kann, dass es später zur Welt gekommen ist - warten wir mal ab. In den nächsten drei Tagen sollten weitere Junge zur Welt kommen. Hoffentlich sind sie alle gesund. Letzte Woche habe ich einem Kollegen erzählt, dass ich hübsche Mäusebabys habe. Er meinte, dass hübsche zwar auch schön, aber nicht so hilfreich seien, besser wäre es, wenn sie ganz braun wären. Darauf konnt ich nur erwiedern, dass sich hübsch bei mir schon lange nicht mehr nach möglichst gefleckter Fellfarbe richtet, sondern je brauner desto besser - und diese hübschen sind halt sehr braun...
So, jetzt werde ich wohl trotzdem wieder nach Hause gucken. Seit ich zurück bin konnte ich mich noch nicht aufraffen auch nur irgendetwas im Haushalt zu tun und wenn meine Mitbewohnerin heute oder morgen wieder kommt, sollte es doch wenigstens ein bisschen ordentlich aussehen... Ich frage mich, wie es biologisch wohl funktioniert, dass Gefühle so einen Einfluss auf den ganzen Körper haben, dass man zu nichts mehr in der Lage ist - nicht einmal essen...
Sonntag, 6. Januar 2008
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